Gegen die Abwanderung: Viertelfestivalprojekt „Hausbesetzung 2017“ bläst einem kleinen Weinviertler Dorf den Marsch!

Am Sonntag, den 11. Juni 2017 war im Weinviertler Eichenbrunn ein besonderer Tag: Für 15.00 Uhr hatte der Verschönerungsverein zur „Hausbesetzung“ eingeladen. Und tatsächlich: Sie kamen alle. Die Hausbesitzer, die Weggezogenen, Aktivisten des Verschönerungsvereines, Gemeinderäte und der Vizebürgermeister, junge Menschen und auch ältere Bewohner….: Um 15.00 Uhr war der kleine Saal im ehemaligen Dorfwirtshaus  bis auf den letzten Platz voll „besetzt“.

Die Eichen und eine große Quelle, die die „Schwemm“ mitten im Ort speist, haben Eichenbrunn den Namen gegeben.

Zum Kommen angetrieben hat die Besucherinnen und Besucher des kleinen 350 Einwohner zählenden Weinviertler Ortes ihr Viertelfestivalprojekt „Hausbesetzung in Eichenbrunn 2017“. Und dieses sei sogar das diesjährige Siegerprojekt im Weinviertel, so Festivalleiter Stephan Gartner gleich zu Beginn.  Warum das so ist, wurde bei der Projektvorstellung von Verschönerungsvereinsobmann und Projektleiter Michael Staribacher schnell klar: Aufbauend auf einer historischen und bildlichen Hausbeschreibung wurde die METAMORPHOSE des Ortes bis zum heutigen Tag aufgearbeitet und letztlich in Form einer CHARTA für Eichenbrunn ein praktisches und realistisches Zukunftsbild des Dorfes entworfen. Ich konnte im Anschluss dieses Zukunftsbild mit allgemeinen Erfahrungen der Dorfentwicklung im Bereich Wohnen, Leben und Arbeiten ergänzen und auch die für Lösungen zu bewältigenden Problemstellungen wie Besitzverhältnisse, Digitalisierung und Globalisierung unserer Lebenswelten aufzeigen.

„Bumvoll“ waren der Saal und die Gaststube des ehemaligen und mittlerweile zugesperrten Gasthauses im Ort bei der Projektvorstellung. (c) Staribacher

Hier findest Du die Präsentationen des „Hausbesetzungs-Nachmittages“:

Das kann für Dörfer, die von Abwanderung betroffen sind, aus dem Projekt abgeleitet werden:

  • eine Bilddokumentation des Hausbestandes zur Bewusstseinsbildung
  • Eine Befragung junger Menschen im Ort, die ihr Zukunftsbild vom Ort selbst „zeichnen“
  • und eine anschließend ehrliche Diskussion, die Zukunftsszenarien einschließt aber vor allem auch Tabus und Konfliktlinien anspricht.

Das Viertelfestivalprojekt „Hausbesetzung 2017“ ist ein exzellentes Dorferneuerungs- und Dorfentwicklungsprojekt mit Vorbildcharakter. Gratulation dazu an das Team rund um Michael Staribacher!

In Eichenbrunn ist in den letzten 150 Jahren die Anzahl der Häuser zwar gestiegen, die Anzahl der Einwohner hat aber deutlich abgenommen. Nur mehr 2 Einwohner leben durchschnittlich pro Haus hier!

40 Jugendliche aus dem Ort haben ihre Meinung zur Zukunft von Eichebrunn abgegeben. 33 (82,5%) sagen, sie möchten auch in Zukunft hier wohnen benötigen aber Bauplätze oder verfügbare Althäuser!

Schon jetzt sind unter Tags nur mehr rund 32% der Einwohner auch tatsächlich im Ort. Die Mehrzahl ist auswärts berufstätig!

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Über Johannes Pressl

Bürgermeister der Marktgemeinde Ardagger, NÖ - www.ardagger.gv.at Engagiert im NÖ. Gemeindebund - www.noegemeindebund.at Mitarbeiter bei der NÖ.Regional.GmbH - Büro Mostviertel - www.noeregional.at Bezirksobmann des NÖ.AAB Amstetten - www.noeaab.at
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2 Antworten zu Gegen die Abwanderung: Viertelfestivalprojekt „Hausbesetzung 2017“ bläst einem kleinen Weinviertler Dorf den Marsch!

  1. Ein toller Beitrag über unsere gestrige Projektpräsentation in Eichenbrunn, danke Hannes! Dein Vortrag hat uns auch alle begeistert und beindruckt. Es gibt noch viel zu tun, damit unsere Dörfer lebenswert und attraktiv bleiben/werden. Am wichtigsten erscheint aber doch die emotionale Bindung, die gegenseitige Wertschätzung und die Schaffung einer Identität für den Ort, dann braucht man sich keine Sorgen um die Zukunft des ländlichen Raumes zu machen.

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  2. Rudolf Pfennigbauer schreibt:

    Super Vortrag! Alle Anwesenden waren von der Veranstaltung begeistert. Anregung von externen Personen haben immer mehr Gewicht als von internen. Danke für deine Anregungen. Hoffe weiter in Kontakt zu bleiben. Werde mir öfter euere Homepage ansehen und Ardagger einmal besuchen.

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